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Casio Pocketcomputer PB-100, FX-702P, FX-720P
Bedienung der Casio Taschencomputer (außer FX-750P)

Casio hat als einer der beiden erfolgreichsten Hersteller von Taschencomputern eine Vielzahl von Modellen mit leicht voneinander abweichenden technischen Möglichkeiten herausgebracht. Auch wenn diese sich in der Bedienung etwas unterscheiden, so sind doch einige Grundprinzipien immer gleich. Daher möchte ich in diesem Dokument den Versuch unternehmen, eine Art Universalbeschreibung zur Bedienung von Casio-Taschencomputern zu erstellen.

Allgemein ist festzuhalten, dass die Modelle PB-100, FX-702P, FX-720P und FX-730P sehr ähnlich sind, während der FX-750P in vielen Punkten abweicht. Andere Modelle stehen mir nicht zur Verfügung, allerdings scheint es zum PB-100 noch ein größeres Modell (PB-300) zu geben und zum FX-720P gibt es ein minimal reduziertes Gerät mit Namen PB-410. Für diese gilt diese Beschreibung voraussichtlich gleichermaßen.

Direktmodus:

Nach dem Einschalten begrüßt Sie der Computer mit "Ready P0". Diese Meldung können Sie mit der Taste "AC" löschen oder einfach mit der Eingabe einer mathematischen Formel beginnen. Sobald Sie damit fertig sind, drücken Sie "EXE", die Formel wird berechnet und das Ergebnis angezeigt. Dieses kann dann als Basis für weitere Berechnungen dienen, da weitere Eingaben hinten an das angezeigte Ergebnis angehängt werden.

In der Formel können auch mathematische Funktionen wie z.B. SIN verwendet werden. Falls diese als Argument nur eine Zahl haben, kann auf eine Klammerung verzichtet werden. Die Funktionen sind meist als Zweitbelegungen der Buchstabentasten direkt abrufbar, können aber auch einfach eingetippt werden.

Zum Aufruf der Zweitbelegungen haben die Computer eine oder zwei Tasten, die entweder "S" und "F" (FX-720P), "F1" und "F2" (FX-702P) oder nur "S" (PB-100) beschriftet sind. In jedem Fall ist die erste rot und die zweite blau beschriftet. Die Zweitbelegungen erreicht man nun, indem man erst eine der genannten Tasten drückt, worauf eine verkleinerte Abbildung der Taste im Display erscheint. Anschließend drückt man die gewünschte Buchstabentaste. Die rote Taste führt dabei zur rot oberhalb, die blaue Taste zur blau unterhalb der Buchstabentaste aufgedruckten Zweitbelegung.

Im Direktmodus können sogar Variablen definiert und in weiteren Berechnungen verwendet werden.

Beispiel (die Antworten des Rechners sehen Sie eingerückt):
SQR(2)

1.414213562
1.414213562 + SQR(3)
3.14626437
A=8
7*A
56

Mit der Taste "AC" können Sie jederzeit das Display löschen. Bei den Modellen mit einer "ANS"-Taste können Sie immer das zuletzt angezeigte Rechenergebnis nochmal abrufen oder auch in einer neu eigegebenen Berechnung an der Cursorposition einfügen.

Basic-Programmierung

Das Basic ist bei den meisten Modellen eher schlicht und entspricht weitgehend dem Minimalstandard "Tiny Basic". Eine Besonderheit bei Casio ist jedoch die Möglichkeit, bis zu 10 Programme gleichzeitig im Speicher zu halten und mit zwei Tastendrücken aufzurufen. Alle Computer arbeiten im Basic in zwei Betriebsarten: Im "WRT"-Modus können Programme eingegeben werden, im "RUN"-Modus können Sie sie ausführen.

Zunächst muss jedoch erst einmal ein Programm eingegeben werden. Also müssen Sie den Rechner, der nach dem Einschalten immer im RUN-Modus ist, zunächst in den WRT-Modus bringen. Dazu drücken Sie zuerst die MODE-Taste und anschließend die Taste "1". In der Anzeige erscheint nun "WRT" und bei den meisten Modellen eine vierstellige kleine, aus Siebensegmentziffern gebildete Zahl. Diese gibt die Anzahl freier Bytes für Programme an. Bei der Aktivierung des WRT-Modus zeigt die Anzeige zudem eine Übersicht der Programmbereiche als Reihe der Ziffern 0 bis 9. Ist ein Programmbereich bereits belegt, wird anstelle der Ziffer ein Strich angezeigt. Der aktuelle Bereich wird entweder als Text (READY Px) gekennzeichnet oder dadurch hervorgehoben, dass die entsprechende Ziffer blinkt.

Der gewünschte Programmbereich lässt sich jederzeit (also nicht nur in der Anzeige der Programmbereiche) durch Drücken der roten Shift-Taste und anschließend der gewünschten Ziffer auswählen. Im WRT-Modus steht der Inhalt des gewählten Programmbereichs zur Bearbeitung zur Verfügung, im RUN-Modus wird das dort enthaltene Programm sofort gestartet.

Der Befehl "NEW" löscht im WRT-Modus nur den Inhalt des aktuellen Programmbereichs. Um alle Bereiche zu initialisieren, benötigen Sie den Befehl "NEW ALL".

Nun kann die Programmeingabe beginnen, wobei hier die Handhabung weitgehend der von Homecomputern entspricht. Man kann aber natürlich immer nur die aktuell bearbeitete Zeile sehen. Eine nachträgliche Änderung des Programms ist über den List-Befehl möglich. Dieser zeigt die Zeilen nämlich einzeln an, wobei mit der "EXE"-Taste jeweils zur nächsten Zeile gesprungen wird. Die angezeigte Zeile kann beliebig geändert werden. Sie können das Programmlisting auch jederzeit mit der Taste "AC" abbrechen.

Variablen:

Die Taschencomputer haben eine sehr reduzierte Variablenverwaltung. Numerische Variablen, Stringvariablen und Arrays teilen sich die gleichen Speicherplätze. Es gibt nur 26 Variablen, A bis Z. Jede kann wahlweise eine Zahl oder einen String speichern, wobei Strings maximal 7 Zeichen lang sein dürfen. Eine Verwendung von "A" und "A$" in einem Programm verbietet sich daher. Zudem sind Felder nur eine alternative Methode des Zugriffs auf die normalen Variablen: A(0) ist gleichbedeutend mit A, A(1) gleichbedeutend mit B und so weiter.

Es gibt eine "exklusive Stringvariable" mit Namen "$", die 30 Zeichen enthalten darf.

Befehlsliste:

Die folgende Aufstellung enthält nur jene Befehle, die über Tiny Basic hinausgehen oder deutlich anders implementiert sind:

NEW, NEW ALL:

Der PB-100 / PB-300 kennt keinen NEW-Befehl. Er heißt hier "CLEAR".

CLEAR:

Löscht alle Variablen. Der Befehl heißt bei PB-100, PB-300 und FX-702P "VAC".

PRINT:

Die Syntax stimmt zwar mit dem Standard überein, als Tribut an das einzeilige Display wurde die Bedeutung aber etwas modifiziert: Werden Werte durch Komma getrennt, zeigt der Rechner zunächst nur den einen und nach einem Druck auf "EXE" den anderen an. Endet ein PRINT-Befehl mit einem Semikolon, wird das Programm sofort fortgesetzt, andernfalls hält es an, bis sie EXE-Taste gedrückt wird.

Mit der Funktion CSR x kann in einem Printbefehl die horizontale Position der Ausgabe bestimmt werden, z.B. schreibt

PRINT CSR 5; "Jau"

das Wort "Jau" an Position 5 des Displays (von links, mit 0 beginnend).

IF THEN:

Beim PB-100 / PB-300 ist die Syntax der bedingten Verzweigung folgende:

IF Bedingung; Befehl

PASS:

Der PASS-Befehl wird mit einem Passwort als Argument aufgerufen. Falls die Programme zuvor ungeschützt waren, können sie anschließend nicht mehr gelistet oder geändert werden. Es erscheint dann immer die Fehlermeldung "ERR-8". Der Schutz wird durch erneute Eingabe des PASS-Befehls mit dem gleichen Passwort wieder aufgehoben. Wird ein Programm bei aktivem Passwortschutz gespeichert, ist dieser auch nach dem Einladen wieder aktiviert.

MODE:

Hiermit können die per MODE-Taste erreichbaren Modi programmgesteuert aufgerufen werden:

MODE 4: Trigonometrische Berechnungen im Gradmaß MODE 5: Trigonometrische Berechnungen im Bogenmaß MODE 6: Trigonometrische Berechnungen in Neugrad MODE 7: Protokollierung der Ausgaben auf dem Drucker MODE 8: Druckerprotokoll ausschalten

BEEP:

Erzeugt beim FX-720P einen kurzen Piep.

READ, DATA, RESTORE, ON GOTO, ON GOSUB, REM, STR$:

Diese Befehle sind im PB-100 und FX-702P nicht verfügbar. In den anderen Modellen funktionieren sie wie gewohnt.

FRAC():

Diese Funktion liefert den Nachkommaanteil des Arguments.

DEG(), DMS$():

DEG() erhält drei Argumente, die Grad, Minuten und Sekunden entsprechen. Das Ergebnis ist eine Gradangabe mit entsprechendem Nachkommaanteil. DMS$ ist die Umkehrfunktion. SIe liefert als Ergebnis einen String im Format gg°mm'ss.s, also Beispielsweise 12°34'04.3

KEY$:

Pseudovariable, die die aktuell gedrückte Taste enthält. Es wird nicht auf eine Eingabe gewartet. Ist keine Taste gedrückt, enthält KEY$ einen Leerstring. Die Pseudovariable ist beim PB-100, PB-300 und FX-702P "KEY" benannt.

MID$:

Die Funktion zur Ermittlung eines Stringabschnitts heißt beim PB-100, PB-300 und FX-702P "MID".

PUT / GET:

Speichert den Variablenbereich auf Band. Die Syntax dafür lautet:

PUT ["Dateiname"] [$,] Startvariable [,Endvariable]

Wird kein Dateiname angegeben, werden die Variablen ohne Name gespeichert. Wird nur ein Variablenname angegeben, speichert der Befehl auch nur den Inhalt dieser Variable, ansonsten den ganzen Bereich zwischen beiden Variablennamen. Durch Angabe von "$" an erster Stell wird auch die exklusive Stringvariable mitgespeichert.

Der GET-Befehl hat genau dieselbe Syntax.

DEFM:

Hiermit kann der Speicher für Variablen über die 26 Standardspeicherplätze hinaus erweitert werden. Die zusätzlichen SPeicherplätze können als indizierte normale Variablen angesprochen werden, d.h. Z(10) spricht den 10. Speicherplatz im erweiterten Bereich an. Siehe auch bei "Variablen".