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12.06.2004 - "Geniale Erfinder" im Rückblick
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Hmja. Ich könnte es mir ja leicht machen und sagen: Das war nix. Ich hatte für die Show "Geniale Erfinder" einen der ersten Flachbettscanner für PCs (HP Scanjet), einen der ersten CD-Brenner von Philips und eine Kollektion verschiedener, teils kurioser Mäuse zusammengestellt und zu allen Gerätegattungen die Geschichte recherchiert. Am Ende stand der Scanner auf dem Tisch und wurde in einem halben Satz erwähnt, die übrigen Requisiten schafften es nicht mal auf die Bühne.
Dann hatte ich von meinem Arbeitgeber ein MDE-Gerät (Mobiles-Datenerfassungs-Gerät) geliehen und dafür ein Programm geschrieben, das eine nette Bildschirmausgabe produziert - die dann am Ende von Stefan (von Erkan & Stefan) vorgelesen wurde, anstatt sie auf dem Display groß zu zeigen. Das Programm hätte man auch durch ein Etikett auf dem Display ersetzen können.
 |  | | Das hier war auf dem MDE-Gerät vor bzw. nach dem Scannen von Sonya Kraus zu sehen... |
Ich könnte also sauer und enttäuscht sein - bin's aber nicht. Im Gegenteil: Eigentlich hatte ich bei einer Unterhaltungssendung dieser Machart kaum etwas anderes erwartet. Länglich über die Geschichte von irgendwelchen Geräten zu philosophieren hätte nicht ins Konzept gepasst. Am Ende bekam ich noch einen Ablaufplan der Sendung in die Finger, in dem auch jene Bestandteile erwähnt waren, die einmal geplant und vorbereitet waren, es aber nicht in die endgültige Sendung geschafft haben - ich schätze, dass das gesamte Material mindestens noch eine oder eineinhalb Stunden weiter gereicht hätte. Der Frust dürfte also vor allem bei den Mitarbeitern des Senders und der Produktionsfirma anzutreffen sein, die laufend irgendwas recherchieren, ausarbeiten und viel Zeit investieren, um es dann kurz vor der Ausstrahlung in den Orkus zu befördern. Zumindest mich würde das auf Dauer ziemlich fertigmachen.
 |  | | Das zum Studio umfunktionierte Foyer des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) in Karlsruhe kurz vor und ca. 45 Minuten nach der Sendung |
Während der eigentlichen Sendung fühlt man sich als Zuschauer vor allem als "Geräuschproduzent". Die vorderen Reihen waren für Ehrengäste und Nominierte des Erfinderpreises reserviert. In dem Gang dahinter und damit direkt vor den hinteren Sitzreihen fuhren auf geringem Raum drei Kameras hin und her - eine davon war einem eigentlich immer vor der Nase. Von der Seite ragte noch eine Kamera an einem langen Teleskoparm ins Blickfeld. Verschärft wurde das ganze dadurch, dass die Sitzreihen nicht ansteigend waren. Von den auf der Bühne sitzenden Personen waren darurch von hinten nur die Köpfe zu sehen. Der Ton bei den Musik-Acts war zwar kräftig, aber klanglich katastrophal. Die Mädels von "Bond" hörten sich an wie Rondo Veneziano aus einem kaputten Ghettoblaster. Auch hier wurde wohl vor allem an die Fernsehzuschauer gedacht, das Publikum vor Ort ist eher Teil der Kulisse.
Schilder mit Anweisungen zum Klatschen haben wohl ausgedient. An ihre Stelle ist ein Einheizer getreten, der vor der Show und während der Werbepausen das Publikum routiniert und humorvoll zum Applaudieren brachte. Der Mensch hieß Nils Holz, war Träger einer Ilja-Richter-Gedächtnisfrisur und erinnerte stimmlich an Olli Dittrich. Die Gags hätten auch von Oliver Pocher sein können, werden aber vermutlich schon seit Generationen von Fernsehshow-Einheizer zu Fernsehshow-Einheizer weitergegeben. Insgesamt war's aber nicht schlecht.
Während der Sendung machte eine junge Frau die Klatschvorlage, indem Sie mit erhobenen Händen vorklatschte, was die Menge dann bereitwillig imitierte. Dazu schnitt sie Grimassen, die wohl als Stimmungsblaupausen gedacht waren, aber doch arg übertrieben wirkten.
 |  | | Gedränge auf der Bühne kurz nach dem Finale. Rechts im Bild wird für die Presse posiert. | Die Regie war auf einer Empore ein Stockwerk über der Bühne untergebracht. |
Zusammenfassend kann man sagen, dass man eine Fernsehsendung am besten vor dem Fernseher sitzend genießt - als Livezuschauer bekommt man definitiv viel weniger mit und den Promis kommt man auch nicht gerade nahe. Vor der Sendung lief Regina Halmich an mir vorbei (ist die winzig!) und als wir hinterher noch ein wenig beim Abbau zusahen, rauschte Uwe Fahrenkrog-Petersen mit gesenktem Blick an uns vorbei. Auf der Aftershow-Party habe ich von den Prominenten keinen gesehen - aber auch nicht danach gesucht. Man könnte böse unterstellen, dass bei der Party das gemeine Publikum entsorgt wird, damit die Promis nach der Show ohne nervige Fans im Schlepptau noch gepflegt woanders einen trinken gehen können.
Die Party fand in einem Raum im Erdgeschoss des ZKM statt. Ein DJ verursachte einen gewaltigen Geräuschteppich, den er mit Dutzenden von Reglern permanent modifizierte - was das Ergebnis aber kaum angenehmer machte. Vielleicht auch einfach nicht meine Musikrichtung. An einem kalten Buffet wurden kleine, überwiegend sehr leckere Häppchen dargeboten und auch für Getränke war reichlich gesorgt. Arg lange blieben wir aber nicht dort, weil ich noch meine Gerätschaften einsammeln wollte. Dort gab's dann noch eine große Tüte, die prall mit PRO7-Werbegeschenken gefüllt war.
Am Ende bleibt zu sagen, dass es äußerst spannend war, ein wenig hinter die Kulissen der Fernsehproduktion zu blicken. Dafür hat sich die Arbeit im Vorfeld und das Verleihen meiner Geräte absolut gelohnt. Was durch den Bildschirm betrachtet meist großartig und professionell aussieht ist im Hintergrund ein extrem schnellebiges und hektisches Geschäft und ich mache mir keine großen Illusionen, dass in journalistischen Formaten dramatisch anders gearbeitet wird. Für sorgfältige Recherche und Tiefgang ist heute wohl kein Platz mehr. Der über der Fernbedienung kreisende Zeigefinger der zappenden Kundschaft führt zur Einteilung der Sendungen in minimale Informationshäppchen. Wenn jemand irgendwas nicht mag - circa zwei Minuten später kommt ja schon wieder etwas anderes. In "Geniale Erfinder" war jedenfalls für keinen Programmpunkt mehr als zweieinhalb Minuten vorgesehen. |
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